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Nichts ist hier unmöglich,

aber wenig wahrscheinlich

 

denn

es gibt viele hohe Berge, die

man bezwingen kann und muss.

Das Brandl und der Brandl.

Das Brandl ist, oder viel mehr war, einmal ein schönes Stück Erde mitten im Herzen Brannenburg-Degerndorfs. Es säumte den Kirchbach und war durchzogen von einem Geflecht schattiger Spazierwege. Nein es war kein Park, eher ein kleiner Urwald mitten im Dorf, so groß wie einige, vielleicht fünf, Fußballfelder. Manche Bäume hatten schon 2 Jahrhundertwenden hinter sich. Eigentlich machte sich niemand wirklich Gedanken darum, es war eben das Brandl oder der Kirchwald. Mehr Sorgen und Mühe bereitete da schon der Kirchbach, der sich einst erfrechte den halben Schrofen ins Tal zu transportieren.

Dieses Brandl säuselte und rauschte tagtäglich vor sich hin bis eines schönen Tages ein Föhnsturm hereinbrach. „Ich bin nur ein kleiner Lokalwind" würde Morgenstern sagen. Also dieser kleine Lokalwind hat sich vervielfältigt und rutschte nun die Berghänge munter herunter. Der eine vom Schrofen, der andere vom Wendelstein und wieder einer vom Heuberg. Ausgerechnet mitten im Brandl traf man sich. Da wusste dann plötzlich keiner mehr wohin. Die kurze, stürmische Verabredung verlief heftig im Reigen und endete in Verwüstung.
Ich, der Brandl, war ein stattlicher Baum mitten im Brandl, als die wilde Windsbraut mich einholte. Um mich herum krachte schon alles und ich hörte wie die Bäume ächzten:  Nicht auf die Kirchen, sonst droht uns ewige Verdammnis! Als machte das jetzt noch etwas aus. Lieber purzelten sie alle kreuz und quer über mich drüber. Die beiden Kirchen am Rande waren gerettet, aber mich hatte es übel erwischt. Mein Wurzelwerk, das ich mich immer bemüht hatte schamhaft zu verstecken, sah plötzlich alles blau. Das musste der Himmel sein.

Am nächsten Tag schon rückten die Bauern und die Feuerwehr an und sie kastrierten uns. Alle unsere Fortpflanzungsorgane, die wir ja gern in die Sonne hängen, lagen nun am Boden. Einige von uns blieben wenigstens noch auf ihren Wurzeln sitzen. Die kleinen Mickerer am Rande, die wir immer belächelt und wegen ihrer vorwitzigen Jugend geschmäht haben standen tapfer aufrecht und schauten nun auf uns herab. Sie säuselten : Nichts währt ewig, bald seid ihr Brennholz. Wir ächzten zurück: Das kann dauernbrandl.

Und es dauerte. Ein ganzes Jahr verging. Um meine hochgereckten Stümpfe herum schossen lauter blühende Schönheiten ungefragt empor: Sommerflieder, Königskerze, Phlox. Sogar ein paar Sonnenblumen flogen mir zu. Das war ein Ahhh und Ohhh! Nur um mich kümmerte sich niemand. Da konnte ich ächzen, winken und verrotten wie ich wollte.

Endlich nach zwei Jahren sah ich zwei paar Füße auf mich zustapfen. Dann sah ich einen Fuchsschwanz, ich wusste gar nicht, dass es diese Art Sägen noch gibt.

Ein paar Ärmchen musste ich lassen und ab ging’s  auf einen klapprigen Bollerwagen. Die Torturen mit Kettensäge und Fuchsschwanz, mit Stechbeitel und Schnitzeisen will ich Euch ersparen, reden wir lieber von meinem Kopf. Was man mir zu erst verpasst hatte war in etwa das letzte, das ich mir wünschte: Einen Gipskopf!

Aber ich hatte gehört, dass irgendwo im Keller ein kleines Stück Holz auf der Werkbank herumklemmt. Soll Kirsche sein, igitt!

Diese dämlichen Bäumchen. Viele Jahre lang haben sie mich geärgert mit ihrem albernen : Wem sollen wir unsere Kirschen heuer schenken? Den Würmern, den Läusen, den Vögeln oder den Menschen? Als könnten sie das bestimmen. Wie haben sie sich gefreut, wenn Ihnen ihre mickrigen Ärmchen gestutzt wurden, bloß, damit sie niemanden von uns jemals berühren müssen. Und jetzt wartet dieser Holzkopf geradewegs auf meinen Hals. Na ja mit etwas Glück wird er niemals fertig, mir fällt der Gipskopf ab und ich wandre ins Hauskrematorium.

Nun habe ich meinen Kirschholzkopf und ich stehe sogar auf Füssen aus einem Apfelstamm.

So wäre mein Schicksal dann besiegelt.